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Das Brückenland

Einzigartige Brückenbauwerke von monumentaler Größe

 

Mehrere Großbrücken symbolisieren im sächsischen Vogtland seine traditionelle Rolle als wichtige Verkehrsader, die den Süden mit dem Norden verbindet.

Schon im Mittelalter führte die berühmte "Reichsstraße" von den Hansestädten an der Küste über die Messestadt Leipzig durch Reichenbach und Plauen nach Franken und weiter bis nach Italien. Davon zeugen noch heute in Reichenbach wie in Leipzig gleichnamige Straßen und die bereits 1244 als Steinbrücke genannte „Alte Elsterbrücke“ in Plauen.

Als die Eisenbahn um 1850 die Reichstraße zu ersetzen begann, war sie noch in besonderem Maße an geringe Steigungen gebunden. Tief eingeschnittene Täler der beiden wichtigsten Flüsse Weiße Elster und Göltzsch bildeten aber nicht zu umgehende Hindernisse. Schienenweg und Autobahn haben daher im Vogtland zu ungewöhnlich großen Talüberquerungen geführt, durch die man das Gebiet als Brückenland bezeichnen kann.

Die größte Ziegelsteinbrücke der Welt

 

Für die Eisenbahnverbindung zwischen den Handels- und Gewerbezentren Leipzig und Nürnberg mussten über beide Täler sogar von 1846 bis 1851 die damals höchsten Eisenbahnbrücken der Welt geschaffen werden. Den Hauptverdienst an den beiden Brücken besitzen Prof. Andreas Schubert (geb. 1808 im vogtländischen Wernesgrün, gest. 1870) von der Technischen Bildungsanstalt (heute TU Dresden) und Oberbauleiter Robert Wilke (1804-1889). Der wichtigste Baustoff war Backstein, wodurch die Gölztschtalbrücke zum weltgrößten Ziegelviadukt (gebaut aus über 26 Millionen Ziegeln) geworden ist.

Die Brücken wurden zum Bestandteil einer der wichtigsten Nord-Süd-Routen, auf der nach 1900 über 200 Züge in 24 Stunden fuhren. Trotz ihres hohen Alters sind sie nach wie vor unentbehrliche Verkehrsbauten. Durch den Ausbau und die Modernisierung der Sachsenmagistrale Dresden- Plauen-Hof rollen über sie seit Juni 2001 neue ICE-Züge mit Neigetechnik. Bereits während des Bauens wurden die Brücken zu touristischen Attraktionen und werden noch heute von tausenden Touristen jährlich bestaunt.


Weltgrößte Steinbogenbrücke überspannt die Elster bei Pirk

 

Eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabe war seit 1935 der Bau der Autobahn Chemnitz-Zwickau- Plauen- Hof (A 72). Sie sollte zwischen den Strecken Dresden-Chemnitz-Frankfurt (A 4) und Berlin-Nürnberg (A 9) eine Eckverbindung durch das siedlungs- und industriereiche Südwestsachsen schaffen. Neben zahlreichen kleineren Brücken musste über das Göltzschtal bei Weißensand 1937 - 1939 eine 36 Meter hohe Brücke errichtet werden. Und zur Überwindung des Elstertales bei Pirk nahe Oelsnitz unweit der bayerischen Grenze war sogar ein monumentales Bauwerk erforderlich, das als weltgrößte Steinbogenbrücke galt. Im Interesse einer guten Einbindung in die Landschaft wurden bei beiden Objekten die Gewölbe und die Ansichtsflächen der Pfeiler aus Granitquadern hergestellt.

Als diese Arbeiten an der Pirker Brücke 1940 abgeschlossen waren, führten der Zweite Weltkrieg und die durch ihn entstandene innerdeutsche Grenze zur Einstellung des Baues für 50 Jahre. Nach dem Verschwinden des "eisernen Vorhangs" wurde der zum Teilungssymbol gewordene Brückenkörper mit bayerischer Hilfe 1991 - 1993 vollendet. Entsprechend dem gestiegenen Verkehrsaufkommen erhielt diese Brücke wie die Weißensander Brücke durch Betonüberbauten einen größeren Querschnitt mit 4 Fahr- und 2 Standspuren. Das Bauwerk verkörpert nunmehr direkt und indirekt den Brückenschlag der Wiedervereinigung.

Die als Vogtlandautobahn geltende A 72 wurde erst nach der Wende auch in anderen Teilen vollendet und heute bis Leipzig ausgebaut. Sie besitzt eine wichtige Funktion im Verkehr zwischen Sachsen und Bayern und darüber hinaus im nationalen und internationalen Maßstab.