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Vogtlandkreis aktuell
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Vogtlandwinter - Gehören heimische Nutztiere jetzt auf die Weide?
In der kalten Jahreszeit ist man daran gewöhnt, dass die Wiesen und Weiden leer sind. Rind, Schaf, Pferd und Ziege vermutet man im Stall. Stellt sich doch das eine oder andere Muhen, Blöken oder Wiehern inmitten der schneebedeckten Landschaft ein, regt sich so manch am menschlichen Wärmebedürfnis gemessenes Mitgefühl. So kommt es, dass im Winter aufmerksame Bürger in der Behörde besorgt nachfragen:
Ist denn in unserer Region Weidetierhaltung in der kalten Jahreszeit überhaupt möglich? Sind die hiesigen Temperaturen nicht zu niedrig dafür? Finden die Tiere überhaupt Nahrung?
Entwicklungsgeschichtlich betrachtet ist ganzjährige Nutztierhaltung im Freien die artgerechteste. "Unsere heutigen Nutztierrassen waren ja einst in offenen Steppengebieten beheimatet und an erhebliche Temperaturschwankungen gewohnt." erläutert Tierärztin Bettina Thoß vom Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt des Vogtlandkreises (LÜVA). "Unser menschliches Wärmebedürfnis darf hier also kein Maßstab sein! In vielen Ländern werden sie noch heute so als Herdentiere gehalten." Der Trend in ganzjähriger Weidehaltung von Rindern ist auch hierzulande steigend: In Norddeutschland leben bereits ca. 40 % der Mutterkühe ganzjährig im Freien, im Mittelgebirge etwa 15 %.
Die verschiedenen Klimareize im Freien wirken positiv auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Tiere. Der größere Bewegungsraum, das ungefilterte Sonnenlicht sowie die Befriedigung des Sozial- und Erkundungsverhaltens in der Herde tun ihr Übriges. Auch verbessern sich die physische und psychische Kondition, was sich u.a. in einem dichteren Haarkleid mit viel Unterwolle, gutem Muskelaufbau und einem Mehr an Unterhautfettgewebe zeigt. Das wiederum schützt vor Hitze, Kälte und Schnee gleichermaßen.
Grundsatz auch auf der Winterweide ist: tierschutzgerechte Haltung entsprechend der Bedürfnisse der Tiere. Kranke Tiere gehören in den Stall, auch zur Behandlung!
Zur Gewöhnung an die kalte Jahreszeit müssen die Tiere bereits im Herbst draußen sein. Was sie dann für ihr "Wintercamping" brauchen, ist eine trockene Liegefläche und einen natürlichen (Büsche, Hecken, Wald, Senken, belaubte Bäume) oder künstlichen (Unterstände, Windschutzwände) Witterungsschutz gegen Nässe, Kälte und Wind. Auch wenn sie oft selbst bei "Sauwetter" der Unterstand gar nicht aufsuchen, muss jeder Tierhalter für Schutz vor widriger Witterung sorgen!
Auch im Winter und bei Frost benötigen alle Tiere täglich frisches, hygienisch einwandfreies Wasser. Auch muss der Halter mindestens ein Mal täglich den Gesundheitszustand seiner Herde kontrollieren.
Weil im Winter der natürliche Bewuchs der Weide nicht zum Sattwerden reicht, muss artgerecht, ausreichend und in guter Qualität mit Grob- bzw. Grundfutter (Heu, Silage), Konzentraten, Vitaminen und Mineralstoffen zugefüttert werden.
Bei auftretenden Mängeln und tierschutzwidrigem Handeln ist das LÜVA gehalten einzugreifen. "Zum Glück sind die im Amt eingehenden besorgten Anfragen wegen nicht artgerechter Haltung im Freien meist unbegründet oder lassen sich im Einvernehmen mit den Tierhaltern problemlos klären. Im letzten Jahr mussten wir diesbezüglich keine Ordnungswidrigkeiten ahnden." resümiert Frau Thoß.
Was darf auf die Winterweide?
Alle europäischen Schafrassen eignen sich ausnahmslos für die ganzjährige Weidehaltung. Rinder sind nicht nur in den "Robustrassen", sondern auch den leistungsbetonten groß- und mittelrahmigen Rassen genügend kältetolerant. Bis hinauf zum Mittelgebirgsstandort ergeben sich keine rassespezifischen Unterschiede. Bei Pferden sind Robustrassen wie Islandponys und Haflinger, aber auch Warmblüter besonders gut geeignet.
Plauen, 22.01.2010
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