Informationen zu gesundheitlichen Beschwerden durch "Katzendreck-Gestank" im Vogtlandkreis

Bei Fragen möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch Geruchsereignisse im Erzgebirge und Vogtland handelt es sich um ein komplexes Problem. Obwohl sich die Ergebnisse der Messungen klassischer Schadstoffwerte in den letzten 10 bis 20 Jahren deutlich verbessert haben, hält sich die Menge der Beschwerden von Bürgern über Geruchsereignisse vor allem im Gebiet Erzgebirge auf hohem Niveau. Betroffenen empfiehlt das Gesundheitsamt, mit Beschwerden einen Hausarzt aufzusuchen sowie an Tagen mit hoher Belastung möglichst wenig Zeit im Freien zu verbringen. Auch andere Ursachen für gesundheitliche Beschwerden zum Zeitpunkt der Geruchsereignisse, wie saisonal typische anderweitig bedingte Erkrankungen oder mittelbare psychisch bedingte Beschwerden sind in Betracht zu ziehen und durch einen Arzt abzuklären.


Gesundheitliche Beschwerden im Zusammenhang mit Geruchsereignissen sind - methodisch bedingt - generell schwierig zu beurteilen. Frühere Untersuchungen der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen in den betreffenden Grenzgebirgsregionen kamen jeweils zu dem Ergebnis, dass ein gehäuftes Vorkommen sowohl von manifesten akuten Erkrankungen (zum Beispiel akute Atemwegserkrankungen) als auch von schwerwiegenden chronischen Erkrankungen durch die zeitweise einwirkenden Geruchs- bzw. Luftbelastungsprobleme nicht festgestellt werden konnten. Ein Teil der Beschwerden ließ sich jedoch aufgrund der wahrgenommenen Geruchsstoffbelastungen plausibel und unstrittig dem sogenannten „Belästigungssyndrom“ zuordnen (dazu zählen unter anderem die Symptome Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, allgemeines Unbehagen, Bauchschmerzen, Übelkeit), die bei wiederkehrenden Störungen eine krankmachende Dimension erreichen können. Eine scharfe Trennlinie zwischen Krankheitsbegünstigung durch die Luftbelastungen und Belastungsepisoden ohne krankmachende Wirkung lässt sich aufgrund der individualspezifischen Wahrnehmungen und Wirkung der Geruchsstoffimmissionen nicht ziehen.


Für die zum Teil recht verschiedenen Geruchsereignisse (Gerüche aus chemischer Industrie, Schwefelwasserstoff, Rauchgase, „Katzendreck“) sind verschiedene Stoffe verantwortlich, die noch nicht alle identifiziert wurden. Es ist inzwischen unbestritten, dass diese Abgase aus dem nord-böhmischen Industriegebiet stammen. Dort befinden sich zirka 100 berichtspflichtige Industrieanlagen. Die tschechischen Unternehmen haben ihre Produktionsanlagen in den letzten Jahren umfassend modernisiert. Das Umweltzentrum Most überwacht und berichtet über außergewöhnliche Betriebsereignisse im Chemiekomplex Litvinov auch in deutscher Sprache. Doch auch die Heizungen der Wohnhäuser beiderseits der Grenze, die mit Festbrennstoffen betrieben werden (sogenannter „Hausbrand“) tragen zur Luftbelastung bei.


Die Behörden beider Länder haben sich der Problematik inzwischen sehr intensiv angenommen. Dazu wurden kurze Meldewege bei einem Geruchsereignis eingerichtet. Dennoch ist es bisher nicht gelungen, die Ursachen der Geruchsbelastungen eindeutig zu ermitteln oder gar zu beseitigen. Nach derzeitigem Wissensstand gibt es dafür folgende Erklärungen:

  • Die hohe Konzentration von Emittenten in Nordböhmen erschwert die Identifikation der Geruchsquelle(n).
  • Das Risiko außerordentlicher Betriebsereignisse (und erhöhter Schadstoffemissionen) ist in der Chemieindustrie und in Kraftwerken höher als in anderen Industriezweigen.
  • Die gleichmäßige Ausbreitung und Verdünnung der Luftschadstoffe wird durch die geographische Lage des Industriegebietes (Nordböhmisches Becken wird im Norden und Süden begrenzt von Gebirgszügen) sehr erschwert. Eingeschnittene Nord-Süd-Täler im Erzgebirge sowie die besonderen meteorologischen Bedingungen (häufige Inversionssituationen im Winter mit „Böhmischen Wind“ aus südöstlicher Richtung) führen zum Schadstoffeintrag nach Sachsen.

Mit dem von April 2016 bis März 2019 laufenden EU-Projekt »OdCom« (Objektivierung der Geruchsbeschwerden im Erzgebirgskreis und Bezirk Usti) soll ein Beitrag zur Ursachenanalyse und Untersuchung der gesundheitlichen Folgen geleistet werden. Dazu erfolgen an verschiedenen Messstationen Langzeitmessungen sowie Befragungen der Bewohner durch Forscher der Technischen Universität Dresden. Einzelne freiwillige Probanden führen zusätzlich ein Geruchstagebuch und nehmen bei wahrgenommenen Belastungen eigene Luftproben. Die Bevölkerung und die Medien werden regelmäßig in öffentlichen Veranstaltungen über die Ergebnisse unterrichtet.


Auch in den nächsten Jahren muss mit den beschriebenen Geruchsereignissen gerechnet werden. Betroffenen Personen steht unter dem Link http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/luft/3647.htm ein Fragebogen zur Meldung des beobachteten Geruchsereignisses an das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zur Verfügung. Auf der Website finden sich auch weiterführende Informationen zum Thema.

Stand: 25.04.2018