Hurra - der erste Zahn ist da!

Der Zahn ist nicht allein zum Kauen da

Kinderzähne sind, zumindest solange die Kinder klein sind, ein Ereignis: Die ersten Zähnchen, die sich aus dem kleinen Kiefer herausschieben, werden meist von der gesamten Verwandtschaft zur Kenntnis genommen und immer wieder gebührend bestaunt: „So schnell sind die Monate vergangen…“ Nicht viel anders ist es, wenn sich die ersten Milchzähne dann wieder verabschieden. Sie wandern wie Trophäen in Schmuckkästchen und werden aufbewahrt.
Allzu leicht aber passiert es, dass Kinderzähne nicht nur in so angenehmer Hinsicht ein „Ereignis“ sind. Schäden an Milchzähnen, zumeist durch Karies, verursachen Schmerzen, nicht selten kullern Tränen und die ganze Familie gerät in Aufregung. Kinder leiden unter Zahnbeschwerden nicht weniger als Erwachsene und es ist nicht weniger wichtig, dass sie einer Behandlung unterzogen werden.
Leider ist das für viele keine Selbstverständlichkeit. Die Meinung, auf Milchzähne komme es nicht an, da wüchsen ja noch mal neue, ist noch immer recht weit verbreitet. Folgen für Kinder mit umfangreicher Zahnzerstörung sind Infektanfälligkeit, Schwierigkeiten beim Essen oder der Verdauung, Sprachprobleme, Probleme bei sozialen Kontakten und sogar Verhaltensänderungen.
Nicht genug damit: Der schlechte Mundzustand der Kinder besteht oft über Jahre hinweg. Die Hoffnung auf eine spontane Besserung mit dem Zahnwechsel ist trügerisch – ein unendlicher Teufelskreis beginnt.
Ein gesundes und funktionstüchtiges Milchgebiss ist nicht nur die Voraussetzung für die Aufnahme und Zerkleinerung der Nahrung, sondern es garantiert auch die regelrechte Kieferentwicklung und hält den Platz für die nachfolgenden bleibenden Zähne frei.

Speichel – ein ganz besonderer, wertvoller Saft

Wer kennt nicht das Phänomen: beim Anblick einer Speise läuft einem das Wasser (der Speichel) im Mund zusammen. Der Speichel im Mund wartet förmlich darauf, den leckeren Bissen einzukleistern. Dabei entsteht aus relativ trockenen Bissen (zum Beispiel Knäckebrot) eine weiche Masse, die dann leicht durch die Speiseröhre in den Magen rutschen kann. Beim Durchmischen des Essens mit Speichel passiert noch etwas: Die Nahrung wird vorverdaut. Das im Speichel vorhandene Enzym (Amylase) spaltet die langen Stärkeketten in kleinere Bruchstücke. Das kann man sogar schmecken. Ein ausgiebig lang gekautes Stück Brot schmeckt plötzlich süß. Hier hat die Amylase die Brotstärke vollständig zu Zucker abgebaut.
Derart intensives Kauen ist jedoch nicht nötig. Es reicht, dass ein weicher, gut rutschender Speisebrei entsteht, den die Enzyme im Magen gut weiterverdauen können.

Mindestens einen Liter Speichel stellt unser Körper jeden Tag her. Das ist eine tolle Leistung, zumal die Spucke nicht nur aus Wasser besteht. Sie hat keinen Geschmack und keinen Geruch. Normalerweise merkt man nicht einmal, dass sie da ist. Aber wenn man daran denkt, so wie jetzt, sammeln sich richtige Spucke-Seen im Mund. Ständig muss man schlucken. Oft sogar ist sie recht praktisch: wirkt lindernd bei Mückenstichen und Brennesselpusteln.

Speichel – Schutzpolizei für die Zähne

Der Speichel schützt die Zähne auf verschiedene Weise. Er spült Speisereste und Säuren herunter. Er „remineralisiert“ die Zähne, indem er eigene Mineralstoffe wie Calcium und Fluor in die geschädigten Zähne einbaut. Speichel neutralisiert die von den Bakterien in der Mundhöhle produzierten Säuren, welche die Zähne angreifen. Er hemmt den Bakterienstoffwechsel mit Hilfe seiner verschiedenen Abwehrstoffe und des Enzyms Lysozym. Der Speichel ist das wichtigste Schutzsystem im menschlichen Mund.

Eine Katastrophe – die vermieden werden kann

Häufig führt über Tag und (besonders) Nacht verteiltes Trinken von Getränken aus einer Saugerflasche – besonders über das erste Lebensjahr hinaus – oder einem Trinkgefäß mit Mundstück bei kleinen Kindern zur Zerstörung der Milchzähne.
Die Fachleute nennen sie das „Nursing-Bottle-Syndrom“, landläufig heißt sie Nuckel- oder Saugerflaschenkaries. Egal, wie man sie bezeichnet, für die betroffenen Kinder, die vielfach schon mit drei Jahren schwerwiegende und schmerzhafte Schäden an den Zähnen aufweisen, ist sie eine Katastrophe – eine vermeidbare allerdings, denn diese Sonderform der Karies im Milchgebiss entsteht als Folge von Ernährungsfehlern.
Seit Beginn der 80er Jahre ist dieses Phänomen bekannt, begünstigt durch die Verwendung von Saugerflaschen aus Kunststoff. Die Flasche ist Segen und Fluch zugleich. Die Glasnuckelflaschen konnten in der Vergangenheit nur im gezielten zeitlichen Rhythmus gereicht werden. Mutti oder Vati mussten dabei bleiben und das Trinken beaufsichtigen. Die Folgen eines vielleicht zersplitternden Glasfläschchens waren nicht absehbar. Heute nimmt man Kunststofffläschchen. Sie können beim Herunterfallen nicht kaputt gehen. Damit kann man sie dem Kind reichen, ohne es ständig beaufsichtigen zu müssen.

Viele Kinder werden zum „Dauerflaschennuckler“ über viele Stunden am Tag. Es treten in der Folge ungewollte Veränderungen im Bereich des zahntragenden Kiefers und des Gaumens auf.

Das ständige und untypische Benetzen der Zähne durch Dauernuckeln, auch wenn es zum Beispiel nur Wasser ist, führt zu Störungen im Lebensraum Mundhöhle. Ganz verheerend wird es, wenn die Fläschchen mit gesüßten Tees oder Saft gefüllt sind. Vor allem für die ersten Zähnchen, auf die so sehnsüchtig gewartet wurde, die Schneidezähne, werden kariös und faulen zu schwarzen Stummeln. Wir sprechen vom „Nursing–Bottle–Syndrom". Dies hat Folgen für die weitere Zahnentwicklung. Abgesehen von den Schmerzen, die ein Kleinkind erleiden muss, sieht es nicht sehr schön aus. Die Kinder werden von den Spielgefährten ausgelacht, ziehen sich teilweise zurück und beginnen oft mit verhältnismäßig schwierigen psychischen Reaktionen in Bezug zu ihrem Umfeld.
Die Milchzähne sind in erster Linie wichtig, die allmähliche Nahrungsumstellung im Laufe der Entwicklung des Kindes problemlos zu gewährleisten.
Durch kariöse und schmerzhafte Milchzähnchen wird die Nahrung mangelhaft zerkleinert und kann zu Magen-, in schweren Fällen auch zu ernsthaften Stoffwechselproblemen führen. Wichtig sind gesunde Milchzähne aber auch für die spätere Entwicklung des bleibenden Gebisses. Sie sind die Platzhalter für die „zweiten“ Zähne sowie Voraussetzung für das Erlernen einer ordentlichen Sprache.
Gerade in den ersten Wochen nach dem Durchbruch befinden sich die neuen Milchzähne in einer kritischen Phase, da das schützende Schmelzoberhäutchen noch fehlt. Dieser Schutz kann sich nur dann bilden, wenn der Speichel genügend Mineralstoffe enthält und die Zähne möglichst wenig von Trinkflüssigkeit umspült werden. Deshalb sollte das Dauernuckeln an Milch-, Saft-, Tee- und sogar Wasserfläschchen vermieden werden.
Trinken ist für Kinder wichtig. Unkontrolliertes Trinken pfuscht der Natur ins Handwerk: Es vermindert die natürliche Schutzfunktion des Speichels.

  • Geben Sie Ihrem Kind keine Plastikflaschen zur ständigen „Selbstbedienung“ mit ins Bettchen oder in den Kinderwagen.
  • Das Trinken in der Nacht führt dazu, dass Ihr Kind häufiger aufwacht und wieder trinken will. Es entwickelt sich ein Kreislauf aus Aufwachen und Trinken-Wollen. Ihr Kind und Sie kommen nicht mehr zur Nachtruhe.
  • Streben Sie eine Abgewöhnung innerhalb von vier Wochen an, denn Essen und Trinken gehört zu den wachen Phasen des Tages, Ruhe- und Nachtzeiten sind zum Schlafen da.
  • Achten Sie in der Übergangszeit darauf, dass Sie nur Leitungswasser, stilles Mineralwasser oder selbstzubereiteten, ungesüßten Tee in die Flasche geben.
  • Sobald Ihr Kind allein sitzen kann, helfen Sie ihm, aus einem Becher zu trinken. Spätestens ab dem ersten Geburtstag sollte Ihr Kind nur noch aus dem Becher oder der Tasse trinken und nicht mehr aus der Flasche.
  • Schon der erste Milchzahn will gepflegt werden. Das Zähneputzen beginnen Sie, sobald der erste Milchzahn da ist. Ab dem zweiten Geburtstag sollten Sie 2 mal täglich (morgens und abends) eine erbsengroße Menge Kinderzahncreme verwenden.