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14. September 2015
Vorträge und Führungen zu "Tag des offenen Denkmals"

Die Baustelle ist nicht nur die größte Investition des Vogtlandkreises, sondern sie hat auch viel Kulturgeschichtliches zu bieten. Davon erfuhren rund 200 interessierte Bürger, die sich anlässlich des "Tag des offenen Denkmals" zu einer Führung und zu Vorträgen angemeldet hatten.

Dass es kein Zufall war, dass sich einst Julius Tietz für Plauen entschied, in der Zeit der aufblühenden Stickereibranche und einer rasant wachsenden Bevölkerung wusste Katrin Färber, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vogtlandmuseum in Plauen, zu berichten. In einem enormen Tempo erreichte die Stadt 1904 100.000 Einwohner, also viele Neu-Plauener und wie sie sagte, auch gut verdienende Arbeitskräfte in der damaligen Zeit, die versorgt werden wollten. Tietz setzte auf ein neues Geschäftsmodell Warenhaus, wo große Lichthöfe zum Beispiel zum Konzept und zur Werbestrategie gehörten, um die Waren anzupreisen. Viele der gezeigten Aufnahmen dürften den Anwesenden in Erinnerung sein.

Zur Baugeschichte wusste Birgit Winkler vom städtischen Denkmalschutz interessantes zu berichten. Und manch einer musste schmunzeln, dass nach einhundert Jahren durchaus deutliche Parallelen zu erkennen sind. Auch das Tietz-Warenhaus war wie das Horten aus einem Architektenwettbewerb hervor gegangen und das Glasdach und die Prunktreppe schon vom bekannten Architekten Emil Rösler vorgegeben. Gleichzeitig erinnerte sie an das Schaffen Röslers in Plauen.

Schwierig waren auch damals die Erdarbeiten und der gesamte Bauablauf, an dem rund 200 Baufirmen beteiligt waren. 1945 teilweise zerstört und ausgebrannt wurde es notdürftig bis 1950 genutzt und ab 1965 ist es den meisten als Konsument Warenhaus bekannt. Ein kurzes Wiederbeleben wurde 2004 versucht. Es war von kurzer Dauer. Die Gründe, das Haus mit öffentlichen Mitteln zu sanieren und mit dem modernen Ausbau trotzdem den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden, davon erfuhren die Gäste bei der anschließenden Führung durch Kreisbaumeister Henry Seifert und Oberbauleiter Gunnar Gemeinhardt. So wurde die gesamte Fassade denkmalgeschützt wieder hergestellt und auch das Erdgeschoss, der Eingangsbereich und das fast schon berühmte Dreieck-Treppenhaus wurde mit denkmalschützerischen Aspekten im Ausbaukonzept verankert.

Durch den schwierigen Bauablauf können derzeit keine Aussagen zum genauen Bauzeitende gemacht werden. Dazu informierte Seifert sowohl die Gäste als auch den jüngsten Umwelt-, Bau-, Vergabe- und Landwirtschaftsausschuss. Dieser traf eine weitere Vergabeentscheidung im Umfang von 108.374 Euro für Fliesen- und Plattenarbeiten. Mehrheitlich bei einer Enthaltung wurde das Los an die INAU GmbH Zeulenroda-Triebes vergeben. Die ursprüngliche Firma hatte gekündigt, worauf die Leistung in drei Losen aufgeteilt wurde. Neben der öffentlichen Vergabe gab es aufgrund der Höhe zwei Losvergaben im internen Vergabeausschuss des Landkreises, die mit einem Zuschlag von gut 70.000 Euro an das Reichenbacher Unternehmen Fliesen Albert gingen. Nur noch drei Lose zur Beschilderung, für die Schließanlagen und zur Bauendreinigung stehen noch aus.