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Naturschutz im Vogtland: Ehrenamtler behalten Flora und Fauna im Blick

Die zahlreichen Ehrenamtlichen im Vogtland stehen auch weiterhin vor der Frage: Ist der Naturschützer eine vom Aussterben bedrohte Art? Mit der Ehrenamtsveranstaltung „Naturschutz“ würdigt der Vogtlandkreis in jedem Jahr genau diese Freiwilligen.
In diesem Jahr wurde diese Veranstaltung durch das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft finanziert, um diese bedeutsamen ehrenamtlichen Tätigkeiten hinreichend anzuer-kennen, sichtbar werden zu lassen und im Bewusstsein der Öffentlichkeit als wertvollen Dienst am Freistaat und seinen Menschen zu verankern.
Im Naturschutzzentrum Oberlauterbach (NUZ) trafen sich jetzt rund 35 Ehrenamtler, die gleich zu Beginn der gut dreistündigen Veranstaltung den Dank des Landrates für das engagierte Wirken in allen Sparten des Na-turschutzes entgegennahmen.
„Im Jahre 2012 wurde die Ehrenamtsstudie des Freistaates Sachsen für den Bereich Naturschutz vorgestellt. In dieser wurde festgestellt, dass in Sachsen die Naturschutzarbeit ohne Ehrenamt nicht mehr zu erledigen ist“, so Landrat Rolf Keil zu Beginn seiner Rede. Die Vogtländischen Schutzgebiete (*) und Arten (**) können nur erhalten werden und sich weiter entwickeln, wenn die äußeren Bedingungen stimmen und die standörtlichen Gegebenheiten optimiert werden.
Ergänzend fügte der Landrat hinzu: „Eine Naturschutzbehörde mit 12 Mitarbeitern und zusätzlich vielen anderen Aufgaben ist in dieser Tiefe des lebendigen Naturschutzes chancenlos und auf Hilfe angewiesen. Die ehren-amtlichen Naturschützer leisten da letztendlich genauso viele Arbeitsstunden, wie die Beschäftigten in den Behörden.“
Damit die ehrenamtliche Arbeit ordnungsgemäß geleistet werden kann, sollen deshalb die Unteren Natur-schutzbehörden geeignete Personen als ehrenamtliche Naturschutzhelfer bestellen.
Und genau diesen ehrenamtlich tätigen Bürgern wolle er seinen Dank zu sagen.
Diese langjährigen ehrenamtlichen Naturschutzhelfer sind auch die, welche ihr Wissen an den Nachwuchs Sie seien es auch, im Bereich der Naturschutzhelfer weitergeben (müssen). Leider fehle den jüngeren Jahrgängen häufig das Interesse an der Lösung zum Teil auch kniffliger Aufgaben des Naturschutzes. Dazu der Landrat: „In den Naturschutzzentren konstatieren wir ein großes Interesse von Kindern und Jugendlichen an Natur und Umwelt. Merkwürdigerweise ändert sich dies im letzten Teil der Schulzeit, hin zu Main-Stream-Beschäftigungen. Spätestens dann, wenn diese Jugendlichen ihre Ausbildung auswärts absolvieren und in den meisten Fällen leider nicht wieder in ihre Heimat zurückkommen, sind sie für unseren Naturschutz verlo-ren.“
Nach seiner Rede übernahm Sarah Böhm vom Natur- und Umweltzentrum Vogtland e. V. Oberlauterbach das Mikrofon, um zum Thema „Junge Naturwächter (JuNa) im Vogtlandkreis – das sachsenweite Nachwuchspro-gramm für den ehrenamtlichen Naturschutz“ zu sprechen. Auch sie richtete noch einmal die Bitte an die Ehren-amtlichen, die Ausbildung junger Naturschutzwächter zu unterstützen und mit zu helfen, die Kinder an die Natur heran zu führen und im besten Fall zu Artexperten auszubilden.
Im nächsten Vortrag widmete sich Herr Dr. Ulrich Zöphel vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirt-schaft und Geologie Dresden der Problematik des Quartierschutzes für Fledermäuse insbesondere der streng geschützten Fledermausarten Nordfledermaus und Kleine Hufeisennase und der Vorstellung der Neuerschei-nung des Reptilienatlasses Sachsen. Die zwei Fledermausarten zählen zu den sogenannten TOP50 – Arten mit herausragendem Handlungsbedarf des Artenschutzes aus Landessicht. Aus diesem Grunde wurde ein Koope-rationsvertrag zwischen dem Freistaat Sachsen, dem Landkreis Mittelsachsen, dem Landkreis Erzgebirgs-kreis, dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, dem Vogtlandkreis und dem Landkreis Zwickau zum Aufbau eines überregionalen Kompetenznetzes geschlossen.
Bernhard Weisbach, Kreisnaturschutzbeauftragter der Stadt Plauen stellte anschließend den anwesenden Eh-renamtlern „Das Arboretum an der Chamissostraße - ein Baumpark für Plauen“ vor.
Seit 2007 setzt er sich aktiv für die Nachnutzung des Friedhofes II in Plauen ein. Die gesamte Anlage Friedhof II ist in der Liste der Kulturdenkmale des Landes Sachsen erfasst.
Nach seinem Entwurf erfolgt die Umgestaltung des Friedhofs in ein Aboretum, eine Sammlung verschiedenar-tiger Bäume und Sträucher als Anschauungs- und Lehrobjekt, wobei das bestehende Wegenetz, die zahlrei-chen unter Denkmalschutz stehenden Grabanlagen und der alte wertvolle Baumbestand als Zeitzeugen erhal-ten bleiben. Bisher konnten durch Spenden bereits über 70 Gehölze verschiedenster Arten neu gepflanzt wer-den. Getragen wird das Projekt von einem breiten Fundament bürgerlichen Engagements.

Den Abschluss bildete André Korndörfer, Kreisnaturschutzbeauftragter des Altlandkreises Oelsnitz, der den Wiedehopf - Vogel des Jahres 2022 – in den Mittelpunkt seines Referates stellte. Der auffällige Vogel ist mit seinem langen Schnabel und den orangen Scheitelfedern mit den schwarzen Punkten ein echter Hingucker. Als wärmeliebender Vogel kommt der Wiedehopf vorwiegend in Wärmeinseln in Deutschland vor. Dort kann man ihn z. B. auf Obstwiesen oder an Weinbergen häufig am Boden beobachten. Auch im Vogtlandkreis wur-de er schon gesichtet, aber leider nicht als Brutvogel. In Deutschland brüten nur noch 800 bis 950 Paare. Aus diesem Grund braucht der gefährdete Vogel unseren besonderen Schutz.

Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein nutzten die Naturschützer die Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen, sich über ihre Arbeit auszutauschen und von ihren aktuellen Projekten zu berichten. und Netzwerkpflege zu betreiben.


Daten und Fakten:
Insgesamt 36 vogtländische Gebiete mit gemeinschaftlicher Bedeutung mit einer Fläche von 6.688 ha bedür-fen der steten Beobachtung durch die beruflichen und ehrenamtlichen Naturschützer.

(*) Das Vogtland verfügt über:
• 20 Landschaftsschutzgebiete mit 52.145 ha,
• 39 Naturschutzgebiete mit 3.029 ha,
• 143 Flächennaturdenkmale mit 291 ha und
• 148 Naturdenkmale.


(**) Die Artenvielfalt im Vogtland reicht von der Flussperlmuschel über die Rückkehr der Wildkatze bis hin zum gelegentliche Auftauchen von Luchs, Biber, Fischotter und Wolf.

(***) Die Naturschutzhelfer und Naturschutzbeauftragten werden nicht auf der Ehrenamtsveranstaltung, son-dern vom Kreistag des Vogtlandkreises berufen, so voraussichtlich wieder im IV. Quartal dieses Jahres. Da-bei ist zu beachten, dass einerseits Neuberufungen erfolgen und andererseits auf Grund der gesetzlichen Si-tuation, dass Naturschutzhelfer und Naturschutzbeauftragte nur für den Zeitraum von 5 Jahre berufen werden können, nach diesen 5 Jahren eine Wiederberufung erfolgt.
Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, die die Kreisnaturschutzbeauftragten und Naturschutzhelfer betreut, haben vor kurzem eine Altersstatistik der gegenwärtig bestellten Kreisnaturschutzbeauftragten und Naturschutzhelfern ausgewertet. Das Ergebnis:
Von den 75 Naturschutzbeauftragten und Naturschutzhelfern ist
• keiner unter 30 Jahre alt,
• 32 % sind zwischen 30 und 60 Jahre,
• 25,3 % zwischen 60 und 70 Jahre und
• 42,7 % sind über 70 Jahre alt
Tätigkeitsschwerpunkte der Naturschutzhelfer:
• Größter Schwerpunkt: Schutzgebietsbetreuung
• Artenschutzmaßnahmen (u.a. Betreuung Krötenzäune, Horst-/Nestbetreuung, Auffangstation, Fleder-mausquartierbetreuung, Rissbegutachtung, gebäudebewohnende Tierarten)
• Artenstatistik (Monitoringmaßnahmen, Kartierungen, Zählungen – botanisch, avifaunistisch, Amphibien)
• Pflegemaßnahmen/Neophytenbekämpfung (Objekt-pflege, Neophytenbekämpfung, Arbeitseinsätze)