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Vogtland-Fichten in Gefahr, aber noch nicht verloren

Vor wenigen Tagen fiel der Startschuss für den ersten flächendeckenden Begang der durch Borkenkäferbefall gefährdeten Waldflächen im Vogtlandkreis durch Mitarbeiter der Forstbehörde, fachkundige Mitarbeiter anderer Sachgebiete und forstliche Dienstleister.

Deren Fazit: Die kühle – und im Vogtland auch feuchte - Witterung im Frühjahr verlängerte die Ruhephase der Schadinsekten und verschaffte geplagten Waldbesitzern im Anschluss an den Winter eine Atempause. Der anziehende Holzmarkt ermöglichte zudem eine Abfuhr der durch die Herdsanierung anfallenden Polter (gesammeltes und sortiertes Rundholz). Doch die Borkenkäfer-Überwachungsfallen ließen keinen Zweifel, dass mit dem Wechsel der Witterung Anfang Juni hin zu heiß-trockenem Sommerwetter die erfolgreich überwinterten Borkenkäfer das vorjährige Szenario fortsetzen.

Alarmzeichen

Im Vogtland wird seit Juni an den Dreifallensternen der Forstbehörde der Schwellenwarnwert von 3.000 Käfern pro Woche dauerhaft überschritten. Ab diesem Wert geht man davon aus, dass eine gesunde und durchschnittlich wasserversorgte Fichte dem Ansturm der Borkenkäfer nicht mehr gewachsen ist. Die schiere Menge der Käfer bringt die gesunden Bäume zum Absterben – so wie seit 2019 überall sichtbar.

„Ihre Vitalität und Aggressivität wurden durch den Winter mit Schneelagen und Tiefsttemperaturen sowie das kühl-feuchte Frühjahr – entgegen der Hoffnungen der Waldbesitzer - nicht geschwächt. So mancher wähnte sich und seine Fichtenbestände bereits in Sicherheit“, so Kay Oertel  Sachgebietsleiter der Kreis-Forstbehörde (hier mit der Weischlitzer Revierförsterin Dorit Thiele an einer Borkenkäferfalle). Davon zeugen die während des Begangs zahlreich vorgefundenen Würfe und Brüche, die seit Februar/März unaufgearbeitet mit grüner Krone in den Wäldern liegen. Diese boten ideale Brutbedingungen für die erste Generation der Borkenkäfer. Überwinternde Käfer haben so die Chance der ersten warmen Tage um den Muttertag Anfang Mai 2021 genutzt, um die 1. Generation anzulegen, die jetzt bereits ausfliegt! Dabei wächst die Zahl der befallenen Bäume im Quadrat:

Anders gesagt: Aus einem toten Baum werden in der 1. Generation 20 Bäume und in der 2. Generation 400!
Das vorläufige Ergebnis für den Monat Juni weist über 260 erfasste Herde mit über 3.000 Festmetern Schadholz aus. Zum Vergleich: Im Juni 2020 wurde zwar mit über 230 Herden eine ähnlich hohe Anzahl befallener Stellen gefunden, die aber mit über 2.000 Festmetern ein Drittel weniger Schadholz enthielten.

Das bedeutet: Trotz des verzögerten Starts ist die Borkenkäfersaison in vollem Gang und hat bereits das Niveau des Vorjahres erreicht! Den aktuellen Rekord hält ein Käferherd mit Buchdruckerbefall von über 200 Festmetern im Landkreisrevier Auerbach. Die schnell ansteigende Schadholzwelle ist auch deshalb besorgniserregend, weil sich die Wasserversorgung der Waldbäume und damit deren Abwehrkraft insgesamt günstiger darstellt. Die Abwehrreaktionen in Form von Harzfluss, das sogenannte „Ausharzen“ der Borkenkäfer, kann zwar beobachtet werden; führt aber im Gegensatz zur Annahme einiger Waldbesitzer nicht zum Absterben aller Käfer - sondern im Ergebnis des Ansturms zum Tod der Bäume!

Damit die Fichte weiterhin als so genannter „Brotbaum“ fungieren kann und die Waldbesitzer Zeit für den Waldumbau gewinnen, müssen die in den vergangenen Jahren eingeübten Abläufe konsequent beibehalten werden: regelmäßige, ideal wöchentliche Kontrollgänge und eine schnelle, gründliche Sanierung im Verbund mit zügiger Abfuhr wirken. Die Erfolge sind im Vogtland sichtbar: Die Fichte prägt weiterhin das Landschaftsbild, zusammenhängende dichte Waldgebiete sind nach wie vor die Regel.