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Zur Situation in der Ukraine und der aufkommenden Flüchtlingswelle

Datum: 02.03.2022

Statement des Landrates Rolf Keil

„Es herrscht Krieg in Europa. Dass wir diesen Satz nach all den Jahren des Friedens, des kulturellen, werteverbundenen und wirtschaftlichen Miteinanders aussprechen müssen, schmerzt noch immer. Auch Tage nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine versetzt allein der Gedanke an die kämpferischen Auseinandersetzungen ganze Generationen in Angst und Sorge. Menschen aller Länder stellen sich die Frage, wohin uns diese Auseinandersetzungen noch führen werden.

In diesen Zeiten, in denen Diplomatie und Besonnenheit  auf heftige Gewalt und Drohgebärden prallen, gilt es, zusammen- und füreinander einzustehen. Europa, Deutschland, Sachsen und auch wir als Vogtlandkreis zeigen Solidarität mit der Ukraine. Ihre Landesfarben wehen vor unserem Landratsamt, strahlen über unseren wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Die Ukraine und ihre Bevölkerung haben in unseren Augen ein Recht auf Souveränität und ein Leben in Frieden und Freiheit.

Es ist für uns deshalb nur selbstverständlich, dass Bürgerinnen und Bürger, die ihr Land verlassen mussten, auch hier Unterschlupf finden. Diese Menschen, oftmals Senioren, Frauen und Kinder, mussten alles hinter sich lassen. Ihr Hab- und Gut, das Haus, die Wohnung, manchmal auch liebe Familienmitglieder. Sie sind nicht selten in Nacht- und Nebelaktionen geflohen, ohne Ziel – nur weg. Weit weg.

Ihre Heimat werden wir leider nicht ersetzen können. Doch bei uns finden sie Schutz, Fürsorge und eine offene Gesellschaft. In diesem Sinne appelliere ich auch an alle Vogtländerinnen und Vogtländer: Helfen Sie mit, engagieren Sie sich für alle, die kommen und auch jene, die in der Ukraine bleiben. In zahlreichen Städten und Gemeinden werden finanzielle und Sachspenden gesammelt. Von warmen Decken, Nahrungs- und Hygienemitteln oder Klamotten wird alles benötigt. Beteiligen Sie sich, wenn Sie können. Jetzt ist es wichtiger denn je, einander die Hände zu reichen als ein Vogtlandkreis, ein Sachsen, ein Deutschland, ein Europa.“

Vorkehrungen für die aufkommende Flüchtlingswelle bereits getroffen

Auch wenn derzeit noch nicht absehbar ist, wie groß die Zahl derer sein wird, die nach Deutschland flüchten werden, hat der Vogtlandkreis bereits erste Vorkehrungen getroffen, um auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Dabei steht die Unterbringung der geflüchteten Personen im Vordergrund.

Hierbei wird auf das bewährte Unterbringungsmodell der dezentralen Unterbringung zurückgegriffen. Das bedeutet, dass die Geflüchteten in Einzelwohnungen, über den gesamten Landkreis verteilt, untergebracht werden sollen.

Zum jetzigen Zeitpunkt und unter Berücksichtigung des dynamischen Geschehens können im Vogtlandkreis innerhalb kurzer Zeit bis zu 300 Personen untergebracht werden. Die Erstausstattung dieser Personen stellt der Vogtlandkreis zur Verfügung. Um die Unterbringungsmöglichkeiten wesentlich aufzustocken, arbeiten wir parallel an der Ausweitung dieser Kapazitäten.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass hierbei insbesondere die vogtländischen Städte und Gemeinden ein verlässlicher Partner sind und bspw. über die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Wohnungen zur Verfügung gestellt haben. Erste Gespräche mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Vogtlandkreis sind angelaufen. Parallel haben jedoch auch in der Vergangenheit Privatpersonen Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Auch an diesen Punkt soll angeknüpft werden.

Verteilung der Flüchtlinge

Die Verteilung der geflüchteten Personen erfolgt im Falle des Vogtlandkreises über die Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates Sachsen. Konkrete Zahlen liegen uns hierbei jedoch noch nicht vor. Die Kosten der Unterbringung werden über die Flüchtlingsaufnahmepauschale des Landes gedeckt.

Darüber hinaus finden Flüchtlinge auch durch privates Engagement Schutz im Vogtlandkreis. Wir möchten darauf hinweisen, dass in jedem Fall eine Meldung an die Ausländerbehörde des Landratsamtes Vogtlandkreis erfolgen muss. Nur auf diesem Weg ist es beispielsweise möglich, Unterstützungsansprüche geltend zu machen.

Vogtländerinnen und Vogtländer, die Wohnraum bzw. alternative Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen möchten, werden ebenfalls gebeten, den Kontakt zum Landratsamt Vogtlandkreis aufzunehmen:

Dies kann entweder telefonisch unter 03741-300-2551 oder per E-Mail unter: status@vogtlandkreis.de erfolgen.

Spenden- und Hilfsbereitschaft der Vogtländerinnen und Vogtländer ist groß

Sowohl Hilfsorganisationen als auch örtliche Unterstützer haben bereits verschiedene Aktionen ins Leben gerufen. Das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Vogtländerinnen und Vogtländer sind beispiellos. Jede Sach- und Geldspende zählt.

Auf www.vogtlandkreis.de/ukraine werden wir zeitnah eine Übersicht mit verfügbaren Hilfeleistungen veröffentlichen.